Am Morgen jucken rote Quaddeln, an der Matratzennaht sitzen winzige schwarze Pünktchen, auf dem Bettlaken zeigt sich ein rostbrauner Fleck: Einen Befall verraten meist die Spuren der Tiere, seltener die Wanzen selbst. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Kotpunkte und Eier aussehen, wo sich die Suche lohnt und mit welchen Tieren Bettwanzen häufig verwechselt werden.
Was genau sind Bettwanzen, und wie ordne ich einen Befall ein?
Bei Bettwanzen handelt es sich um flache, ovale Insekten von rotbrauner Farbe, die keine Flügel besitzen. Fliegen oder springen können sie nicht. Stattdessen krabbeln sie zielstrebig zu schlafenden Menschen. Den Tag verbringen sie in Spalten in der Nähe des Bettes. In der Nacht saugen sie für einige Minuten Blut und kehren anschließend in ihr Versteck zurück. Aus diesem Grund bekommt man die Tiere häufig über Wochen nicht zu Gesicht, obwohl sie Nacht für Nacht aktiv sind.
Mit mangelnder Sauberkeit hat ein Befall nichts zu tun. Bettwanzen gelangen von außen in die Wohnung, meist im Reisekoffer, mit gebrauchten Möbeln aus Kleinanzeigen oder aus benachbarten Wohnungen im Mehrparteienhaus. Nach derzeitigem Kenntnisstand übertragen sie keine Krankheiten. Zur Belastung werden Juckreiz und schlechter Schlaf. Ohne Nahrung halten Bettwanzen mehrere Monate durch. Ein Zimmer einfach leer stehen zu lassen, beseitigt das Problem daher nicht.
Welche Anzeichen zeigen sich bei welcher Befallsstärke?
- Beginnender Befall: Einzelne Stiche treten auf, häufig nur bei einer Person, dazu wenige Kotpunkte an einer Matratzennaht oder einer Bettecke. Lebende Tiere entdeckt man kaum.
- Etablierter Befall: Die Kotflecken treten gehäuft auf. In Spalten des Bettgestells tauchen erste Häutungshüllen und Eier auf. Hebt man die Matratze an, sind Tiere zu erkennen.
- Starker Befall: Im Schlafzimmer ist ein typischer Geruch wahrnehmbar. Kotspuren zeigen sich zusätzlich an Fußleisten, Bilderrahmen und hinter Steckdosenblenden. Teilweise sind die Tiere auch am Tag unterwegs.
- Ausbreitung: Funde im Sofa oder im angrenzenden Zimmer oder Hinweise aus der Nachbarschaft deuten darauf hin, dass sich der Befall über das Schlafzimmer hinaus erstreckt.
Je eher ein Befall auffällt, desto kleiner bleibt der Bereich, der behandelt werden muss.
An welchen 7 Anzeichen erkenne ich Bettwanzen?
Erst mehrere Anzeichen zusammen ergeben ein verlässliches Bild. Die ersten drei Anzeichen findet man am Körper und im Bett:
- 1. Stiche, die in Reihen oder kleinen Gruppen an nachts unbedeckten Hautstellen liegen
- 2. Winzige rote oder rostfarbene Blutflecken auf Bettlaken und Kissenbezug
- 3. Gehäufte schwarze Kotpunkte an Matratzennähten, Lattenrost und Bettgestell
Die anderen vier Anzeichen stammen unmittelbar von den Tieren und gelten deshalb als die verlässlicheren Nachweise:
- 4. Helle, leere Häutungshüllen, die die Gestalt einer Wanze haben
- 5. Perlweiße Eier, die in Spalten festkleben
- 6. Lebende oder tote Tiere, flach und rotbraun, nach der Blutmahlzeit merklich praller
- 7. Ein auffälliger Geruch im Schlafzimmer
Sind Stiche ein sicherer Beweis?
Bettwanzen stechen vorzugsweise an Stellen, an denen die Haut nachts nicht bedeckt ist, etwa an Armen und Hals. Kennzeichnend sind drei bis vier Stiche in einer Reihe oder einem kleinen Bogen, da das Tier während des Saugens mehrmals neu ansetzt. Die Hautreaktion setzt häufig zeitversetzt ein, nach einigen Stunden oder erst nach ein paar Tagen. Bei manchen Menschen bleibt sie ganz aus. Das führt oft zu einem Trugschluss: Zeigt nur einer von zwei Partnern Stiche, vermutet man eine Allergie oder Mücken, obwohl beide gestochen werden.
Welche Spuren hinterlassen Bettwanzen außer Stichen?
Warum sind Kotspuren der zuverlässigste Hinweis?
Der Kot von Bettwanzen besteht aus verdautem Blut. Er zeigt sich als schwarze bis dunkelbraune Pünktchen, die meist kleiner als ein Millimeter sind. Auf Textilien dringt er in die Fasern ein und wirkt dann wie ein Tupfen mit einem dünnen Filzstift, dessen Rand etwas verläuft. Auf Holz, Kunststoff oder Tapete bleibt er dagegen als leicht erhabenes, glänzendes Tröpfchen liegen.
Ausschlaggebend ist die Verteilung. Bettwanzen setzen Kot hauptsächlich ab, wenn sie nach der Blutmahlzeit in ihr Versteck zurückkehren und dort verdauen. Die Punkte konzentrieren sich deshalb dort, wo die Tiere sich aufhalten, etwa gruppiert an der Matratzennaht. Vereinzelte Punkte, die über die gesamte Matratze verteilt sind, deuten eher auf Schmutz oder Schimmel hin.
Ein simpler Test bringt Gewissheit: Betupfen Sie einen der Punkte mit einem angefeuchteten Wattestäbchen. Kot von Bettwanzen löst sich dabei und verschmiert rostbraun bis rötlich, da er aus Blut besteht. Schimmelflecken und Staub zeigen ein anderes Verhalten. Flohkot färbt feuchtes Papier ebenfalls rötlich, liegt jedoch als krümelige, verstreute Körnchen vor, vor allem dort, wo Haustiere schlafen.
Was verraten Blutflecken und Geruch?
Kleine rote oder rostfarbene Flecken auf Bettlaken und Kopfkissen entstehen, wenn eine vollgesogene Wanze im Schlaf zerquetscht wird oder eine Einstichstelle nachblutet. Sie sind ein Indiz, aber kein Nachweis, da auch aufgekratzte Mückenstiche solche Flecken hinterlassen. Ist der Befall stärker, kommt ein süßlich-muffiger Geruch hinzu, denn Bettwanzen sondern über Drüsen Duftstoffe ab. Wer diesen Geruch im Schlafzimmer wahrnimmt, hat es in der Regel nicht mehr nur mit einzelnen Tieren zu tun.
Warum werden Häutungshüllen und Eier so oft übersehen?
Junge Bettwanzen durchlaufen fünf Larvenstadien. Vor jeder Häutung benötigen sie eine Blutmahlzeit, anschließend streifen sie die alte Hülle ab. Diese Hüllen sind hellbraun und durchscheinend, besitzen aber die komplette Gestalt der Wanze einschließlich der Beine. Sie sind innen hohl und zerfallen zwischen den Fingern. Jedes Tier lässt mehrere Hüllen zurück. Finden sich viele davon in einem Versteck, wächst dort bereits Nachwuchs heran.
Bettwanzen in Zahlen
Wie sehen Bettwanzen-Eier aus?
Die Eier der Bettwanze messen etwa einen Millimeter, sind perlweiß bis cremefarben und von leicht länglicher Form. An einem Ende befindet sich ein kleiner Deckel. Das Weibchen heftet die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in Spalten, Nähte und Schraublöcher. Wegpusten oder abschütteln lassen sie sich daher nicht. Auf hellem Holz sind sie ohne Hilfsmittel kaum auszumachen. Eine Lupe und eine flach über die Fläche gehaltene Taschenlampe sind eine große Hilfe. Leere Eihüllen mit offenem Deckel bedeuten, dass bereits Larven geschlüpft sind.
Frisch geschlüpfte Larven sind kaum größer als das Ei und nahezu farblos bis gelblich. Erst nach der ersten Blutmahlzeit färben sie sich durch das aufgenommene Blut rötlich und werden so sichtbar. Aus genau diesem Grund entgehen vielen Betroffenen die ersten Wochen eines Befalls. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Larven nach etwa ein bis zwei Wochen. Im Laufe ihres Lebens legt ein Weibchen einige hundert Eier.
Wo verstecken sich Bettwanzen?
Bettwanzen bevorzugen schmale, dunkle Ritzen, in denen ihr flacher Körper oben wie unten anliegt. Dabei halten sie sich so nah wie möglich am Schlafplatz auf, meist in einem Umkreis von wenigen Metern. Häufige Verstecke sind:
- Matratzennähte, Paspeln, Griffschlaufen sowie die Unterseite der Matratze
- Lattenrost, Steckverbindungen und Schraublöcher des Bettgestells sowie gepolsterte Kopfteile
- Nachttisch, Schubladenschienen und Schrankrückwände
- Fußleisten, Spalten hinter abgelöster Tapete, Bilderrahmen sowie Blenden von Steckdosen und Schaltern
- Falten in Vorhängen, Polstermöbel sowie Koffer oder Taschen, die im Schlafzimmer abgestellt sind
In Mehrparteienhäusern gelangen Bettwanzen mitunter über Kabel- und Rohrdurchbrüche in angrenzende Wohnungen. Wer Gästezimmer oder Ferienwohnungen vermietet, sollte nach jedem Gästewechsel einen kurzen Blick auf Matratzenecken und Kopfteil werfen.
Wie finde ich Bettwanzen-Spuren auf Matratze und Bettwäsche?
Schritt für Schritt: So prüfen Sie Ihr Bett gründlich
- VorbereitenHalten Sie Taschenlampe, Lupe, eine ausgediente Plastikkarte, transparentes Klebeband und einen verschließbaren Gefrierbeutel griffbereit. Ziehen Sie helle Kleidung an, damit Ihnen Tiere darauf sofort auffallen.
- Bettwäsche prüfenNehmen Sie Laken und Bezüge behutsam ab und achten Sie auf Blut- und Kotpunkte, besonders am Kopfende. Geben Sie die Wäsche sofort in einen verschlossenen Beutel.
- Matratze absuchenSpreizen Sie Nähte und Paspeln mit der Kartenkante auseinander und beleuchten Sie sie mit flach einfallendem Licht. Fangen Sie bei den Ecken und Griffschlaufen an. Stellen Sie die Matratze anschließend auf und kontrollieren Sie die Unterseite.
- Bettgestell und UmgebungUntersuchen Sie Lattenrost, Verbindungsstellen, Schraublöcher, Kopfteil und Nachttisch. Ziehen Sie die Kante der Karte durch die Fugen. Rieseln dabei Kotkrümel oder Hüllen heraus, ist das ein klares Anzeichen.
- Funde sichernHeben Sie Tiere, Hüllen oder Eier mit dem Klebeband auf und geben Sie sie in den Beutel. Vermerken Sie Datum und Fundort darauf und fotografieren Sie Ansammlungen von Kotpunkten. So kann eine Fachkraft den Fund leichter bestimmen.
Wer die Tiere mit eigenen Augen sehen möchte, sollte in der zweiten Nachthälfte oder kurz vor dem Aufstehen mit der Lampe ins Bett leuchten. Zu dieser Zeit sind Bettwanzen besonders aktiv.
Ist es wirklich eine Bettwanze, oder könnte es ein anderes Tier sein?
Nicht hinter jedem kleinen braunen Tier im Bett steckt eine Bettwanze. Oft verwechselt werden Flöhe, Teppichkäfer samt Larven und junge Schaben. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, woran sich die Tiere unterscheiden lassen:
Bettwanze und häufige Verwechslungen im Überblick
| Merkmal | Bettwanze | Floh | Teppichkäfer | Deutsche Schabe |
|---|---|---|---|---|
| Kot | Schwarze Punkte, verschmieren feucht rostbraun, in Gruppen am Versteck | Krümelige dunkle Körnchen, verstreut, färben feuchtes Papier rötlich | Feine braune Krümel direkt an den Fraßstellen | Dunkle Körnchen wie gemahlener Pfeffer entlang der Laufwege in Küche und Bad |
| Spuren | Glatte, helle Häutungshüllen und perlweiße Eier in Ritzen | Flohkot im Tierkörbchen und im Teppich | Behaarte, gestreifte Larvenhäute, Fraßlöcher in Wolle und Teppich | Braune, längliche Eipakete und Häutungsreste |
| Geräusche und Bewegung | Lautlos, krabbelt eher langsam, kann weder springen noch fliegen | Lautlos, springt plötzlich und weit | Lautlos, Käfer fliegt zum Fenster, Larve kriecht langsam | Lautlos, rennt bei Licht schnell davon |
| Größe | 4–6 mm, flach und oval, rotbraun, vollgesogen praller | Etwa 1–4 mm, seitlich abgeflacht, dunkelbraun | Käfer etwa 2–4 mm, rundlich und gemustert, Larve länglich und behaart | Erwachsen etwa 10–15 mm, zwei dunkle Längsstreifen am Halsschild, lange Fühler |
| Aktivität | Nachts, besonders in der zweiten Nachthälfte, tagsüber im Versteck | Tag und Nacht, gehäuft bei Haustieren | Käfer im Frühjahr tagsüber am Fenster, Larven im Dunkeln | Nachts, vor allem in warmen Bereichen von Küche und Bad |
| Stiche | Reihen oder Gruppen an Armen, Hals und Oberkörper | Gruppen vor allem an Knöcheln und Unterschenkeln | Keine Stiche, Larvenhaare können die Haut reizen | Keine Stiche |
Hilfe für eine erste Einschätzung. Eine sichere Bestimmung ist nur durch eine Fachkraft anhand eines Fundes möglich.
Einen Sonderfall bilden enge Verwandte wie Tauben-, Schwalben- oder Fledermauswanzen. Sie gleichen der Bettwanze fast vollständig. Wenn ihr eigentlicher Wirt fehlt, stechen sie bisweilen auch Menschen, zum Beispiel nachdem ein Taubennest am Dach verlassen wurde. Der Ursprung des Problems liegt dann nicht im Bett, sondern beim Nest, und genau dort muss die Bekämpfung beginnen. Ohne fachkundige Bestimmung sind diese Arten kaum auseinanderzuhalten.
Was sollte ich tun, wenn sich der Verdacht bestätigt?
Erhärtet sich der Verdacht, hängt von den ersten Tagen ab, wie stark sich der Befall ausweitet. Wer auf das Sofa oder ins Kinderzimmer umzieht, verschiebt das Problem lediglich, denn die Wanzen folgen dem Menschen. Handelsübliche Insektensprays töten häufig nur die Tiere, die sie direkt treffen, und vertreiben die übrigen in Wände und angrenzende Räume. Und wer eine befallene Matratze ohne Verpackung durchs Treppenhaus trägt, verstreut Eier und Larven im gesamten Gebäude.
- Bettwäsche und Kleidung aus dem Schlafzimmer in verschlossenen Behältnissen transportieren und bei mindestens 60 °C waschen oder heiß trocknen
- Nicht waschbare Kleinteile in Beuteln mehrere Tage lang bei etwa minus 18 °C einfrieren
- Keine Möbel in andere Zimmer umstellen und nichts verschenken oder wegwerfen, solange das weitere Vorgehen nicht geklärt ist
- In Mietwohnungen frühzeitig den Vermieter benachrichtigen, damit auch Nachbarwohnungen überprüft werden können
- Funde aufheben und fotografieren, damit sich das Ausmaß des Befalls beurteilen lässt
Für eine nachhaltige Lösung ist Fachwissen nötig, weil Eier und Larven in Spalten stecken, die man selbst nicht erreicht. Zwei Verfahren haben sich bewährt. Bei der Wärmeentwesung wird der Raum über mehrere Stunden auf etwa 50 bis 60 °C aufgeheizt, bis die Hitze in sämtliche Verstecke vorgedrungen ist. Der andere Weg ist eine fachgerechte Behandlung mit Insektiziden samt Nachkontrollen in den folgenden Wochen. Welches Verfahren geeignet ist, richtet sich vor allem nach der Befallsstärke. Ebenso spielt eine Rolle, ob sich der Befall auf weitere Räume oder Nachbarwohnungen erstreckt. Diese Faktoren bestimmen zugleich den Aufwand und damit die Kosten.





